Figuren sitzen um einen Runden Tisch, Puzzleteile vor sich, in der Mitte steht ME/CFS

NRW will Vorreiter werden – Runder Tisch plant erste Maßnahmen zur Versorgung von ME/CFS-Erkrankten

07.02.2022 - Die Patientenorganisationen Deutsche Gesellschaft für ME/CFS und Fatigatio e. V. wiesen in einer Pressemitteilung auf die Weiterentwicklung der Geschehnisse rund um die Erkrankung ME/CFS in NRW hin. Gemeinsam mit Fachärztinnen und Fachärzten der Neurologie und Kinder- und Jugendmedizin sowie Betroffenen fanden sie sich unter der Leitung der Landesbehinderten- und -patientenbeauftragten Claudia Middendorf zu einem virtuellen Runden Tisch zum Thema ME/CFS zusammen. Ziel war es, den Handlungsbedarf zu konkretisieren und erste Schritte zum Aufbau von Fortbildungsangeboten, Versorgungsstrukturen und Forschungsnetzwerken einzuleiten. 

Pressemitteilung der Patientenorganisationen vom 07.02.2022

Düsseldorf, 28.01.2022. Im Schatten der Corona-Pandemie bahnt sich in NRW ein Durchbruch in der Versorgung von ME/CFS-Erkrankten an – ein Krankheitsbild, das auch in Folge von Coronainfektionen auftritt. Bislang existieren deutschlandweit keine Versorgungsangebote für die schwerkranken Betroffenen. Das soll sich in NRW nun ändern. Führende Mediziner*innen und Patientenorganisationen haben Maßnahmen entwickelt, um die Versorgung von ME/CFS-Erkrankten zu verbessern. Dafür kamen sie am 28. Januar unter der Leitung der Landespatientenbeauftragten zu einem virtuellen Runden Tisch zusammen. Alle Beteiligten sahen dringenden Handlungsbedarf. Landesweit sollen Versorgungsstrukturen, Forschungsnetzwerke und medizinische Fortbildungsangebote aufgebaut werden. Die Patientenbeauftragte unterstützt die Forderungen und will zeitnah mit der Umsetzung beginnen. In Folge der Corona-Pandemie ist mit einem starken Anstieg der Erkrankungen bei Kindern und Erwachsenen zu rechnen.

„Es existiert bislang deutschlandweit kein systematisches Versorgungsangebot für die große Zahl der ME/CFS-Erkrankten. Viele Betroffene sind pflegebedürftig, ans Haus gebunden oder bettlägerig und wurden bislang vom Gesundheitssystem völlig allein gelassen“, schildert Katharina Milde, Sprecherin der Regionalgruppe Aachen des Fatigatio e.V., die aktuelle Lage. „Wir fordern daher gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS, der Lost Voices Stiftung und #MillionsMissing Deutschland drei zentrale Maßnahmen: Versorgungsangebote in Uniklinken und Praxen zu schaffen, Wissen über die Erkrankung durch Forschung aufzubauen und bereits bestehendes Wissen über Fortbildungen in Medizin und Gesellschaft zu verbreiten.“

Diese Forderungen stießen beim Runden Tisch unter den beteiligten Mediziner*innen und Politiker*innen auf einhellige Zustimmung. Mit Unterstützung der Patientenbeauftragten, Claudia Middendorf, wollen alle Beteiligten an der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen mitwirken. Astrid Böckmann von der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS sagt: „Wir haben in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin bereits erfolgreich Fortbildungen zu ME/CFS durchgeführt. Diese Erfahrungswerte stellen wir gerne zur Verfügung, um den Aufbau von Fortbildungsangeboten in NRW auf lokaler und regionaler Ebene zu unterstützen.“ Fortbildungen sind ein wichtiges Mittel, um neue Ärzt*innen für die ME/CFS-Versorgung zu gewinnen und Patient*innen für Forschungsprojekte zu rekrutieren. Dazu werden außerdem Ambulanzen an Kliniken benötigt, in denen Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten, um die Diagnose ME/CFS zu stellen und die Betroffenen bestmöglich zu versorgen. Wenn Politik und Ärzteschaft ihren Versprechen nachkommen, steht der Vorreiterrolle NRWs in der ME/CFS-Versorgung somit nichts mehr im Wege.