Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens

Pflegekammer Nordrhein-Westfalen: Landesbehinderten- und -patientenbeauftragte begrüßt Stärkung der Pflege

Auf Einladung der Landesbehinderten- und -patientenbeauftragten Claudia Middendorf fand am 03. Mai 2022 das erste Treffen mit dem Errichtungsausschuss der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen statt. In dem Gespräch wurden die vielfältigen Themen der Pflegekammer erörtert und der gegenseitige Wunsch nach einer zukünftigen Zusammenarbeit bekräftigt.

Düsseldorf – Am 03. Mai 2022 begrüßte die Landesbehinderten- und -patientenbeauftragte Claudia Middendorf den Vorstand des Errichtungsausschusses Frau Sandra Postel, Frau Gudrun Haase-Kolkowski und Herrn Jens Albrecht zu einem ersten Gespräch im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

Neben dem ersten Kennenlernen ging es vor allem um den aktuellen Stand und weiteren Ablauf des Aufbaus der Pflegekammer sowie die vielfältigen Themen, die in Zukunft durch die Pflegekammer vorangetrieben werden sollen. Dazu gehören unter anderem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege, die Definition des Pflegeberufs in den unterschiedlichen Handlungsfeldern sowie die Sichtbarkeit der Pflegenden in den unterschiedlichsten politischen Gremien.

Die Kammer verstehe sich als Sprachrohr der fast 240.000 Pflegefachpersonen in NRW. In den vergangenen Monaten konnte beobachtet werden, dass sich die Pflegenden an die Kammer wenden und Missstände in ihren Einrichtungen melden. Hier könnte ein niederschwelliges Vermittlungsangebot entstehen ähnlich der Dialogstelle, die im Juni 2020 im Büro der Landesbeauftragten eingerichtet wurde. Gleichzeitig würden systemische Probleme über diese Meldungen sichtbar, wodurch sich schneller Wege zur Lösung erschließen könnten.

Gemeinsamkeiten zeigten sich auch bei dem Thema junge Pflege oder der Vernetzung der unterschiedlichen Akteure rund um die Pflege.

Selbstverständlich wurde auch der Fachkräftemangel in der Pflege thematisiert. Die steigenden Ausbildungszahlen in den letzten beiden Jahren seien diesbezüglich positiv zu betrachten. Gleichzeitig gehe es auch darum, den Verbleib der ausgebildeten Fachkräfte in ihrem Beruf zu sichern. Dazu Jens Albrecht: „Sieben Jahre nach Ausbildungsende sind nach meiner Wahrnehmung noch circa 30% der Pflegefachpersonen in ihrem Job tätig. Der Drop-out ist hoch.“ Dies gelte es z. B. durch flexiblere und gleichzeitig verlässliche Arbeitszeiten, Unterstützung in der Kinderbetreuung und ausreichend Zeit am Patienten zu ändern. Albrecht: „Klar ist auch, es wird nicht morgen am Bett paradiesisch werden. Die Rahmenbedingungen des Pflegeberufes haben sich über die Jahre stetig verschlechtert. Die Zahl der Pflegefachpersonen lässt sich nur durch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen steigern.“ Dazu gehöre auch, dass die Pflegekräfte sich ihres Wertes bewusstwerden und die Arbeitgeber der fachlichen Expertise die verdiente Wertschätzung entgegenbrächten.

Angesprochen auf die Differenzen mit der Gewerkschaft ver.di erklärte Sandra Postel: „Wir bieten ver.di den Dialog an. Ich betone immer wieder: Jede Pflegefachperson, die sich gewerkschaftlich organisiert, macht etwas richtig, denn die Tarifverhandlungen liegen bei den Gewerkschaften.“ Gleichzeitig decke ver.di eine Vielfalt der Berufe ab und könne den Fokus nicht in allen Belangen auf die Pflege ausrichten. „Die Kammer ist speziell für den Beruf der Pflegenden zuständig. Da wird etwas vermengt, was die Pflege nicht stärkt.“

Der Vorstand zeigte sich positiv beeindruckt von der Menge an politischen Gremien, zu denen die Pflege nun aufgrund des Gesetzes proaktiv eingeladen werden müsse. Damit eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten, die Themen der Pflege zu positionieren und den Pflegefachpersonen Gehör zu verschaffen. Dies sei ohne die Verkammerung nicht denkbar gewesen.

Die Landesbehinderten- und -patientenbeauftragte begrüßt diese Entwicklungen. „Es war längst überfällig, dass die Pflege in der Politik den Platz einnimmt, der ihr aufgrund der Bedeutung des Berufes zusteht. Die Pflegekammer war und ist in meinen Augen der einzig richtige Schritt, um die negativen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten zu stoppen und dem Beruf die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die er verdient hat. Durch die Pflegekammer bekommt die Pflege eine politisch erstzunehmende Stimme und politischen Gestaltungsspielraum, was längst überfällig ist.“

Hintergrund:

Nachdem der Landtag am 24. Juni 2020 das Gesetz zur Errichtung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen verabschiedet hat, trat das Gesetz am 14. Juli 2020 in Kraft. Im September 2020 fand die konstituierende Sitzung des Errichtungsausschusses statt, die einen wichtigen Schritt zum Aufbau der Pflegekammer in Nordrhein-Westfalen bildete.

Aktuell läuft die Registrierung der ca. 240.000 Pflegefachkräfte aus NRW. Bisher haben sich 75.000 Personen registriert. Bis zum 22. August 2022 können die Mitglieder wählen und sich wählen lassen. Dann schließen die Wahllisten.